Die Geschichte des Heiligen Martin

Spontan denkt man an die Mantelteilung mit dem frierenden Bettler am Stadttor von Amiens und die Laternenumzüge zum Gedenktag des Heiligen am 11. November.

Der achtzehnjährige Gardeoffizier Martin war in Amiens stationiert. Eines Tages um das Jahr 334, mitten im kalten Winter fielen viele Menschen der strengen Kälte zum Opfer. Da begegnete Martin am Stadttor von Amiens einem armen, unbekleideten Mann. Martin selbst trug außer seinen Waffen und seinem Militärmantel nichts bei sich.

Als der frierende Mann nun die Vorübergehenden bat, sie möchten sich seiner erbarmen, diese jedoch an ihm vorübergingen, verstand Martin, vom Geist Gottes erfüllt, dass der Bettler ihm zugewiesen sei, da die anderen Menschen kein Erbarmen zeigten. Aber was sollte er tun? Außer seinem Militärmantel, den er trug, besaß er nichts. Deshalb fasste er sein Schwert, teilte den Mantel in der Mitte entzwei, gab die eine Hälfte dem Armen und mit der anderen Hälfte bekleidete er sich selbst.

Die Geschichte berichtet, dass Martin außer dem Spott seiner Mitmenschen auch noch eine Arreststrafe bekam, wegen mutwilliger Beschädigung von Militäreigentum.

In der Nacht nachdem er den Mantel geteilt hat, erschien Martin im Traum Jesus Christus, bekleidet mit Martins halbem Militärmantel. Martin plante, den Militärdienst aufzugeben, um in den Dienst Gottes zu treten und ließ sich taufen.

Bald entstanden etliche Legenden mit Erzählungen von Wundern Martins. Eine weitere Überlieferung besagt, dass Martin im Jahr 371 in der Stadt Tours von den Einwohnern zum Bischof ernannt werden sollte. Martin, der sich des Amtes unwürdig empfand, habe sich in einem Gänsestall versteckt. Die aufgeregt schnatternden Gänse verrieten aber seine Anwesenheit, und er musste das Bischofsamt annehmen. Davon leite sich auch der Brauch ab, am Fest des Heiligen eine Martinsgans zuzubereiten.

Der Martinstag wird in vielen Gebieten mit Umzügen und anderem Brauchtum begangen. Da Martins Leichnam in einer Lichterprozession mit einem Boot nach Tours überführt wurde, feiern vor allem die Kindergärten ein „Laternenfest“. In vielen Regionen Deutschlands gehen Kinder dem Martinssingen nach. Im Rheinland (Krefeld) ist besonders das „Weckpoppledsche“ bekannt, das heute noch begeistert gesungen wird. Text von Josef Brocker und die Melodie stammt von Christian Blatter. Die Bäckereien bieten in der Zeit um den Martinstag „Weckmänner“ an, die einen Bischof mit Bischofsstab darstellen soll.

Da der Martinstag mit kirchlichen Festen und Umzügen verbunden war, war er in vielen Gegenden des Rheinlandes als Kirchmesstag ein Tag von ökonomischer Bedeutung. Anfang November war das bäuerliche Wirtschaftsjahr endgültig zu Ende, Pachten und Zinsen wurden ausgezahlt und Verträge abgeschlossen, erneuert und aufgelöst. Zahlreiche alte Urkunden bestimmen oft den Martinstag als Ziel- und Zahltag, das „Geschäftsjahr“ dauerte sozusagen von St. Martin zu St. Martin.

Der Namenstag des Heiligen fällt auf den 11. November, den Tag der Grablegung Martins. Zahlreiche Bauernregeln für diesen auch als Glückstag geltenden Kalendertag, der nach dem Julianischen Kalender auf den Winteranfang am 10. November folgt, treffen Aussagen über die Witterungssituation des kommenden Winters:

  • "Hat Martini einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart.“
  • "Wenn an Martini Nebel sind, wird der Winter meist gelind.“

Text: Renate Kloss l Foto:  kristina rütten - Fotolia.com

Maria Frieden
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